Vorsicht, nichts für Hardcore Gläubige. Blasphemie droht! Wütend und hilflos drischt der vorsitzende Richter mit seinem Hämmerchen auf den Tisch. "Ruhe im Saal, oder ich lasse sofort räumen", schreit er, außer sich vor Empörung, den Zuschauerrängen zu. Dabei schraubt sich seine Stimme von einem sonoren Bass bis zu einem schrillen Tenor empor. Vergnüglich grinse ich vor mich hin. Ionen an Zeit habe ich gebraucht, um endlich meinen Fall vor ein Gericht zu bringen. Ich beneide den armen Kerl, der den Richter in diesem Possenstück geben muss, beileibe nicht. Doch mitgehangen, mitgefangen. Das gilt eben für jeden, egal ob die Führungsriege oder den letzten Penner - wie mich. Der Richter ist ja sicher nicht so rein aus Versehen auf dieses Amt gehievt worden. Eigentlich bin ich schon mit dem Erfolg, das ganze Pack endlich vor dem Kadi zu treffen, schon befriedigt. Von mir aus kann er ruhig den Termin platzten lassen. Langsam kehrt wieder Ruhe in den Saal ein, und der Richter schiebt sich energisch seine alberne Robe wieder zurecht. Dann nimmt er wieder die Akte in die Hand und schielt vorwurfsvoll in meine Richtung. "Zur Verhandlung steht heute der Fall Adam gegen Gott. Die Klage...". Wieder gehen seine Worte in dem Tumult der Zuschauer unter. Ein Machtkampf zwischen dem Hämmerchen und den Zuschauern ist erneuet entbrannt. "Räumen, sofort räumen", kreischt der vorsitzende Richter fassungslos seine Saaldiener an. "Die Sitzung wird für eine halbe Stunde unterbrochen", stößt er noch hervor, bevor er mit wehender Robe fluchtartig den Saal verlässt. Behaglich lehne ich mich in meinen Sitz zurück, und werfe einen triumphierenden Blick zu meinem Anwalt rüber. Genauso hatten wir uns den Auftakt dieser Verhandlung schon in seinem Büro ausgemalt. Äußerlich wirkt er sehr ruhig und gefasst auf mich, aber sein Pferdefuss schart unruhig auf dem Boden, wie bei einem Rennpferd im Startkäfig. "Nun Luzifer, wie geht es jetzt weiter? Wird es denn ohne das Publikum mit rechten Dingen zugehen, oder müssen wir uns jetzt ernsthafte Sorgen machen?". "Da mach dir man keine Sorgen", donnerte er mir entgegen. "Ich habe genug Kameras geordert, die den Prozess aufzeichnen werden. Diesmal werden sie den kürzeren ziehen!". Wieder zieht ein hämisches Grinsen über mein Gesicht. Als Teufelswerk hat man die neuen Gesetzte und den europäischen Gerichtshof für Menschenrechte bezeichnet. Man gut das keiner von denen weiß, wie Recht sie damit haben. Wir haben uns eben in all den Jahrtausenden und vielen Niederlagen eine Möglichkeit geschaffen, wie ich doch noch zu meinem Recht kommen soll. Mühselig war es, fürwahr – aber eben auch notwendig. Irgendwann muss dieses blasierte abgehobene Pack die Rechnung bezahlen, das habe ich mir damals geschworen! Es war ein langer weiter Weg, von dem rechtlosen Status, über die primitiven Zehn Gebote, bis zu den heutigen Gesetzten, die mir endlich die Möglichkeit für diese Klage einräumen. Mein Blick schwenkt rüber zu dem Platz der Verteidigung der Gegenpartei. Es ist kein besonderes Staraufgebot, was sie zu bieten haben. Wie auch, sind doch die führenden Köpfe als Zeugen geladen, und somit der Verhandlungsführung enthoben! Ein genialer Schachzug meines Anwalts. Der hat seit Anbeginn der Zeit belastendes Material gegen jeden und alles gesammelt. Nicht ohne Grund haben sie ihn verstoßen! "Bitte erheben sie sich für das ehrenwerte Gericht. Verhandelt wird die Klage Adam gegen Gott, unter dem Vorsitzenden Richter Jophiel" Noch immer sichtlich erregt, eilt der Richter seinem Platz entgegen. "Hiermit nehme ich die Verhandlung wieder auf. Für das Protokoll! Die klagende Partei, vertreten durch den Kläger Adam und seinem Rechtsbeistand Luzifer, sowie die beklagte Partei Gott, vertreten durch die Anwälte Michael und Camael sind anwesend. Ich erteile der klagenden Partei das Wort. Bitte verlesen sie ihre Klage!". Sichtlich erschöpft lässt sich der Richter wieder in seinen Sitz fallen. Überparteilich soll er sein, der Arme. Obwohl er doch alles, was er darstellt, nur diesem Gott verdankt. Ach, sie kennen Richter Jophiel nicht? Nun, da kann ich abhelfen. Erzengel Jophiel, ist für jede Partei ein starker unerschütterlicher Halt. Das bezieht sich sowohl auf geisteswissenschaftliche Fragen, als auch auf ganz konkrete, irdische Probleme. Er stellt sich ansonsten gern hilfreich neben Verleumdete und Hintergangene, die mit tiefster Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit zu kämpfen haben. Sie sehen also, ein geschickter Schachzug meines Anwalts, ausgerechnet diesen Richter für unseren Termin zugeteilt bekommen zu haben! Ach so, wenn sie schon den Richter nicht kennen, dann werden ihnen die Namen der gegnerischen Anwälte wohl auch nichts sagen, oder? Aber auch hier kann ich aushelfen. Erzengel Michael, er ist der Fürst des Lichts und verbindet den Menschen mit seinem göttlichen Ursprung. Er kämpft gegen das Böse und die Dämonen und wird oft mit Schwert und Rüstung dargestellt. Auch mit zwei Waagschalen ist er häufig zu sehen, mit welcher er die guten und bösen Taten gegeneinander abwägt. Erzengel Camael, ihm werden sowohl düstere als auch lichte Charaktereigenschaften zugeschrieben. Camael lehrt uns, mit Konflikten umzugehen, indem er hilft, kämpferische Aggression in sanfte Korruption – äh sorry - Kooperation zu verwandeln. Er kann auch Strenge und Mut verleihen. Er ist ein großer Lehrer und Beschützer. Somit verleiht er der gegnerischen Partei die Tapferkeit und Bestimmtheit, um die Hindernisse zu überwinden. Nun sehen sie mit welchen Gegnern wir es zu tun haben, an diesem Gericht. Doch sehen sie mich keineswegs entmutigt. Was sind schon große Namen, bei der klaren Sachlage. Luzifer schraubt sich mühsam aus seinem Sitz empor. Feierlich wendet er sich dem Richter zu, verneigt sich tief und ringt sich ein müdes 'Herr Vorsitzender' ab. Dann wendet er sich der gegnerischen Partei zu, und ein hämisches Grunzen, das in etwa wie 'meine Herren' klingt, lässt er wohlgelaunt verlauten. Er räuspert sich und fängt an vorzulesen. "Wir beschuldigen den Beklagten Gott der schweren Körperverletzung nach Paragraph 85 StGB, in Tateinheit mit dem Verstoß gegen das Grundgesetzt Artikel 2 Absatz 2, in Tateinheit mit dem Verstoß gegen das Transplantationsgesetz, Abschnitt 2 Paragraph 3 Absatz 1 bis 3". Er legt eine kurze Kunstpause, um die Worte wirken zu lassen, ein und blickt dabei bedeutungsvoll in die Runde. "Weiterhin beschuldigen wir die beklagte Partei der schweren Nötigung nach Paragraph 240 Absatz 4 Nr. 1 StGB in Tateinheit mit dem Verstoß gegen das Grundgesetzt Artikel 2 Absatz 1 und Artikel 6 Absatz 1 durch die Zwangsehe mit dem, aus der - vom dem Kläger Adam, durch den Beklagten Gott widerrechtlich entnommenen - Rippe entstandenen Klon Eva". Luzifer greift nach seinem Wasserglas und labt sich ausgiebig daran. Dabei schielt er über den Rand des Glases in Richtung Richtertisch, um dort nach erkennbarer Wirkung seines Vortrages zu forschen. Ich habe, wie verabredet, mir sofort in die Seite gegriffen, als wenn ich noch heute den Schmerz der Entnahme dieser Rippe empfinden würde, und dabei mein Gesicht einen leidenden Ausdruck verliehen. Wie zum Hohn blitzt dabei der mir aufgezwungene Ehering unter dem kalten Neonlicht auf. 'Perfekt' lobe ich mich selbst für diesen gelungenen Auftritt. Luzifer blättert in den Seiten, und fängt an die Klageschrift weiter zu verlesen. "Ferner legen wir den Beklagten zur Last, mit der aus dieser Zwangsehe resultierender Vertreibung aus dem Paradies, gegen das Grundgesetzt Artikel 13 Absatz 1 verstoßen zu haben. Hiermit möchten wir es vorerst bewenden lassen". Eisiges Schweigen liegt im Raum, während sich Luzifer stöhnend in den Sitz fallen lässt. Ein gutgelauntes "Guten Morgen, Zeit zum Fiebermessen und Frühstück", reißt mich aus meinem Traum. Meine Rippen schmerzen höllisch, aber das soll normal sein – nach so einer OP. Anmerkung: