Ich wollte keine Kinder – niemals! Warum? Weil Kinder laut sind und stinken! Könnte ich ja jetzt einfach, wie sonst immer, sagen. Aber so einfach ist das leider nicht. Nicht das die Aussage falsch ist – bestimmt nicht. Jeder, der in einem Kinderheim mit vielen anderen Kindern in einem Raum untergebracht war, kennt das bestimmt. Nie hat man Ruhe – immer ist irgendeiner am sabbeln, streiten oder jaulen. Und dann die Drecksäcke die Wasser mieden, wo sie konnten – und rumfurzen, sich die Zähne nicht putzten usw. und so fort. Nee, eigentlich ist das nur eine Schutzbehauptung. In Wirklichkeit traute ich mir selber nicht. Ich war einfach zu – ja wie soll ich das richtig beschreiben? Unstetig? Verantwortungsscheu? Wütend? Eigentlich das alles und noch mehr. Emotional gehemmt – das trifft es wohl am besten, meinem Vorleben geschuldet eben. Ich konnte einfach keine Bindung eingehen – jedenfalls auf lange Dauer. Und meine Kinder dann im Heim oder bei Pflegeeltern – die Vorstellung ließ mich mein Leben lang davor zurückschrecken. Kinder brauchen Nähe. Ich ertrage aber keine Nähe, will einfach nur weglaufen - wenn mich einer anfassen will. Nicht so toll für Kinder – Oder? Ich habe also keine Kinder – nirgends auf der Welt – jedenfalls genetisch gesehen! Wie das Leben eben so spielt, kommt es immer anders als man denkt und plant. Na klar, wieder mal ne Frau daran schuld – wie immer. Also, Berta war Schuld. Die hatte mich in der Kneipe beim Billard spielen sehen, und wollte mich unbedingt haben. Die Arme! Eine bildschöne Frau – jung, lebenslustig. Sie konnte jeden haben. Alle waren hinter ihr her, aber sie wollte ja unbedingt mich haben. Ich habe ihr das wirklich nicht leicht gemacht. So einfach ging das mit mir eben nicht. Ich - Vollprofi im Mauern, gegen sie - Vollprofi im Anbaggern. Lange Zeit stand es unentschieden zwischen uns. Mal knutschten wir wie die Wilden in der Kneipe am Billardtisch herum, so das der Wirt uns im Spaß sagte „...das wir bitte Zuhause kopulieren möchten“, mal kannten wir uns gar nicht. Je nach Tagesform! Ich hätte ja auch gerne mehr gewollt - wenn ich mal ehrlich bin – aber sie hatte nun mal einen – oder besser wohl - zwei große Fehler. Zwei Kinder! Was bitte schön soll das – ne Frau mit zwei Kindern! Doch nicht mit mir – Kinder nein danke! Kinder sind laut und stinken! Ich weiß nicht mehr wie lange ich gegen sie[mich] ankämpfte – ein oder zwei Monate bestimmt, aber dann... Es war Sonntag Nachmittag, und ich Idiot hatte ihr versprochen ein paar Platten von Roger Waters und Pink Floyd vorbeizubringen. Sommer, Sonnenschein – ein richtig geiler Tag also. Da stand ich nun vor dem Haus und klingelte. Mein Fehler – weiß ich selber! Die Tür ging auf und sie strahlte mich an. Diese Augen – Scheiße! Diese Figur - ein dünnes knappes Sommerfähnchen – sollte wohl ein Kleid sein, zeigte jedenfalls mehr, als das es versteckte. Aber jetzt kam erst der Hammer: Ein Zwerg - der man gerade so aufrecht gehen konnte. Der kam von hinten angewackelt und schmiegte sich an ihr Bein. Und dann strahlte er mich an. Diese riesigen Kulleraugen, blau. Das freudige Lachen in diesem kleinem Gesicht – vertrauensvoll, offen! Als hätte er sein ganzes kurzes Leben lang nur auf mich gewartet. Das gesamte Bild erschlug mich einfach. Ich gehörte hier her – ganz selbstverständlich war es auf einmal. Keine Angst und Gegenwehr mehr – besiegt, auf ganzer Linie! Lange Rede – kurzer Sinn: Ich hatte jetzt eine chaotische Frau und zwei Kinder. Ich hatte die beiden Zwerge mit Haut und Haaren gefressen. Ich Kinderhasser hatte Windeln gewechselt, Nuckelflasche für die Nacht fertig gemacht. Paulas Schnuller gesucht – den hatte sie immer verbummelt und dann das ganze Haus zusammen geschrieen. Gutenacht-Geschichten vorgelesen, Märchen erzählt, Kinderlieder mit ihnen gesungen und so ein Blödsinn eben. Ganz Vater! Habe sogar Weihnachten ertragen, nach über 20 Jahren das erste Mal wieder. Hab mit ihnen Weihnachtlieder gesungen, mich über ihre Geschenke gefreut. (Ja, ich habe die selbstgemachten ‚Kunstwerke’ aus dem Kindergarten auch heute noch!) Das ganze Programm eben. Hatte mit stolzgeschwelter Brust bei der Einschulung gesessen, war mit ihnen Baden und in den Urlaub gefahren, hatte sie auf meinem Schoß, in meinen Armen gehalten, geknuddelt und geknutscht. Getröstet – Geliebt! Ja - das Leben kann schön sein.
Wenn die Mutter nicht wäre. Weiber – was kann man von denen auch schon erwarten? Sechs Jahre und viele andere Männer später, hatte sie mich dann 'vor die Tür gesetzt'. Ich hatte ja noch meine Bude, und sie brauchte meinen Platz bei sich für ihren 'Neuen'. "Nicht weiter tragisch, wir können ja Freunde bleiben", ihre Worte. Aber – Sie hatte mir den Umgang mit den Kindern verboten! Sie hatte wohl Angst, dass es 'den Neuen' stören könnte. Richtig – waren ja nicht meine Kinder – wie sie doch 'so schön' sagte. Nur, die Kinder kannten es nicht anders, waren noch zu klein, damals als ich kam. Die liebten mich, ich war einfach ihr Vater und aus die Maus. Und ich hatte das auch in der ganzen Zeit vergessen, mich voll auf die Kinder eingelassen. Mein Fehler! Tja, was konnte man da schon machen? NICHTS – nur hoffen das die Kinder einen nicht aufgeben, sich trotzdem melden! Alt genug waren sie inzwischen, meine Telefonnummer kannten sie auswendig. Ist nie passiert – Leider! Scheiße, habe ich gelitten. Ich Kinderhasser war total am Boden zerstört. Vor der Schule habe ich rumgelungert, wenn ich Zeit hatte, nur um wenigstens mal ein Blick auf die Kinder zu bekommen. Zu sehen wie sie größer werden. Lassen wir das besser, tut immer noch weh. Nun, die Kinder konnten ja nichts dafür, sie waren ja auch hilflos der Situation ausgesetzt, dass ich plötzlich weg war. Außerdem, wer weiß schon was die Mutter ihnen erzählt hatte? Bestimmt das ich die Kinder nicht wollte, genauso wie es bei dem leiblichen Vater seinerzeit gehalten hatte. Ich habe es ja schon immer, mein ganzes Leben lang, gesagt: Frauen – außer im Bett – taugen nichts. Männer sind arme Schweine. Und Kinder sind laut und stinken! Die Welt ist eine Scheibe. Und die Sonne dreht sich doch um die Erde – ja sicher doch! Anmerkung: