12. März 1978, Sonnabend
Ich hasse mich. Bin spitz wie Nachbars Lumpie.
Kalt duschen? Ne, lieber putzen und kochen! (gefüllte Paprikaschoten)
Und Bett klarmachen für die große Nacht.
Zeit läuft, keine Ahnung wohin – aber mir weg.
Angst? Nicht direkt, aber Unbehagen!
Nicht wegen ihr.
ICH drohe einzubrechen. Zu versinken in ihr.
Kontrollverlust droht!
Überall ihr Geruch, in jeder meiner Poren.
Und das Gefühl ihrer Berührungen, überall.
'Scheiße – Herr rette mich vor den Teufeln die ich rief'.
Ich will nicht, kann nicht – darf nicht lieben. Nicht sie. Sie hat besseres verdient.
Musik, harte Musik – Black Sabbat.
Iron Man, das bin ich. Der Mann aus Stahl, zu keinen Gefühlen fähig. Zurück in die Spur.
White Noise – die schwarze Messe.
Chaos auf LP gepresst. Sie drückt es am besten aus, was mich erwartet heute Nacht. Das wilde Trommeln, das Schreien und Jammern, das Schluchzen im Hintergrund. Das beruhigt mich wieder.
Worte, so viele dumme sinnlose Worte.
Sie sprudeln einfach so aus uns heraus. Ich höre einfach nicht zu. Weder ihr, noch mir!
Ich lasse es geschehen, blocke nicht ab - wie gestern.
Zu viel steht auf dem Spiel, ahne wie unendlich verliebt ich bin.
Löse mich sanft aus ihren Armen. Will sie endlich in Ruhe betrachten. Mit Abstand - im Ganzen, nicht nur das Gesicht.
Von Tag zu Tag wird sie schöner für mich, begehrenswert auch – na klar.
"...habe uns etwas zu essen gekocht, hoffe du hast Hunger mitgebracht. Denk daran, ich koste viel Kraft", prahle ich.
Gerettet für einige Zeit, meine Unschuld ihr gegenüber.
"...lang zu, ich lass dich heute nicht gehen. Du bleibst heute Nacht (für immer?) bei mir...", raune ich verlegen, meinen uralten Traum träumend.
Ich werde mich in sie verkriechen, danach. So mein Gefühl und Plan.
Keine Vernunft mehr, keine Angst – Gefühle leben, nicht bekämpfen!
Ihr Blut kocht schon wieder, sie zuckt und sie stöhnt, wie unter einer schweren Last.
Ich lass von ihr ab, arbeite mich langsam empor. Verweile am Bachnabel, versenke meine Zunge drin. Gedankenverloren soll es wirken, aber mir Zeit geben zur Beruhigung. Bin ganz Mann, von Lüsternheit gebeutelt. Meine Hände wandern voraus, über die Brüste zu den Schultern, ziehe mich weiter hoch an ihnen. Winde und wende mich dabei, um 'mich' rein 'zufällig' in Startposition zu bringen.
Mein Kopf über ihrem angekommen, fesseln meine Augen sie.
Ein fordernder Kuss.
Verschlingend, lustvoll und trotz allem - ohne diese übliche Gier.
Als eine Bescheinigung der Zusammengehörigkeit - des 'eins Sein' zu wollen.
Unten, die Hölle - der Kampf, er ist wild entbrannt.
Nein – es ist nichts passiert, obwohl sie es will. Ich halte mich ruhig, warte noch. Ein kleiner Druck nur, er würde reichen, jeder Widerstand wäre zwecklos. Am Eingang zur ewigen Glückseeligkeit verweile ich, sie ist sich dessen bewusst. Sie versucht mich einzufangen, sich über mich zu stülpen. Ich bin auf der Hut, weiche aus und zurück. Ich will den Zeitpunkt bestimmen.
Die bange Frage in ihrem Gesicht, sie holt mich in die Vernunft zurück.
Keine Spielchen mehr...
"...ja ich will, nicht nur du...aber langsam, es soll für uns beide schön werden".
"...ich brauche dich auch, bin doch nicht aus Holz...", gestehe ihr so meine Lust ein.
Ein inniger Kuss noch, ihr Mund so fest verschlossen – gebe ich endlich ihrem Verlangen nach.
Gleite sanft in sie. Kaum merklich ein Widerstand, der Weg ist gebahnt. Ihre Augen, sie leuchten. Immer weiter bahne ich mir meinen Weg. Ich will sie ganz genießen. Wenn es geht mit jedem Zentimeter. Ein kurzes Zucken in ihrem Gesicht, die Augen geweitet, zeigt mir an das ich am Ende angekommen bin. Ich löse meine Lippen wieder von ihrem Mund.
Ich will ihr zuhören. Will das sie redet.
Beschreibt wie das Gefühl für sie ist. Für mich war es klar, war es gestern schon. Bin Profi, kenne mich aus. Ich fühle wie ihr Inneres mich erwürgen will, versucht mir den Verstand und die Lust aus meiner Männlichkeit zu zerren. Genau wie gedacht, fast schlimmer noch als befürchtet! Ich kämpfe dagegen. Zucke und pumpe Blut, wachse über mich hinaus. Sprenge fast ihr Fassungsvermögen.
Aber sie gibt nicht auf.
Sie will mich leiden lassen. Ich sehe es in ihren Augen, das wissende Blitzen.
Ich stutze. Die Anzeichen, es müsste gehen.
Der Wille alleine als treibende Kraft – die höchste Stufe überhaupt. Einmal im Leben erst selbst erlebt, bei einer älteren Dame - in meiner Zeit als Nutte. Einfach nur irre, was Frauen mit ihrem Körper anstellen können, wenn der Kopf frei und bereit dazu ist. Immer neue Überraschungen lauern...
Ich bringe sie in Stellung.
Verschränke dann meine Hände in ihre, verliere nicht den Blickkontakt.
Sie weiß was ich will – auch ohne Worte.
Die Blicke gefesselt, der Atem geht schwerer. Wir gehorchen gemeinsam den Willen der Körpern, geben ihnen ungehemmt nach. Den Geist ausgeschaltet, vom Körper regiert, bewegungslos außen, aber innerlich tobend, rasend -
...zerstört und vernichtet irgendwann.
'Der kleine Tod' hat uns wütend überrollt.
Wir bleiben so liegen, unfähig zu denken oder zu handeln...
Ich weiß ich bin irre, nichts besonderes für mich, aber so was!
Das hätte ich nie erwartet.
Eine Dienstleistung nur, ein Freundschaftsdienst – so war mal der Plan gewesen.
Und nun das.
Mein Verstand macht Alarm, wissend das ich liebe –
SIE LIEBE!
Und selbst mein Körper schreit nach mehr...
Und sie?
Sie schwebt noch, in anderen Gefilden...
...verloren für mich und diese Welt.